
Ein lautes Krachen, schreiende Menschen, dann eine große Staubwolke: Die Videos aus dem Terminal des internationalen Flughafens unweit von Caracas lassen nur vermuten, wie stark die Erdstöße waren, die Venezuela am Mittwochabend (Ortszeit) getroffen haben. Auf den von der Deutschen Presse-Agentur verifizierten Aufnahmen in sozialen Medien sind herabstürzende Deckenteile und gespenstische, von Trümmern übersäte Gänge zu sehen, Menschen fliehen ins Freie.
"Ich bitte Gott um Erleuchtung"
Rund 30 Kilometer entfernt, in der Hauptstadt Caracas, äußert sich die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez später im staatlichen Fernsehen zu der Katastrophe in dem südamerikanischen Land. Ihre Wortwahl lässt Schlimmes erahnen: "Es sind intensive Rettungsarbeiten zugange, um die Leben zu retten, die Gott uns retten lässt", sagt sie. Und ergänzt: "Ich bitte Gott um Erleuchtung und dass er uns weiter beschützt."
Bilder aus der Hauptstadt, die malerisch am Fuße des Berges Ávila in rund 900 Metern Höhe liegt, zeigen Hochhäuser, die in sich zusammengesackt sind, als hätte sie von oben eine riesige Hand zerdrückt. Dabei liegt Caracas etwa 200 Kilometer vom Epizentrum der Beben entfernt, die laut der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 7,2 und 7,5 erreichten. Polizisten und Helfer suchen in den Trümmern nach Überlebenden.
"Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände", berichtet eine 57 Jahre alte Anwohnerin der dpa per Audiobotschaft. Sie wohnt im Osten der Millionenmetropole, wo es schon 1967 bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 schwere Schäden gegeben hatte.
"Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt. Es war fürchterlich", ergänzt die Frau. In ihrer Wohnung in der Gemeinde Chacao seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus der Wohnung gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt.
Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert, erzählt die Frau. Ihr Haus sei aber von schweren Schäden augenscheinlich verschont geblieben. Nach Angaben des Bürgermeisters von Chacao, Gustavo Duque, stürzten in der Gegend vier Hochhäuser ein. "Wir haben 18 Personen lebend retten können, das ist eine gute Nachricht", sagte der Bürgermeister örtlichen Medien.
Erinnerungen an schweres Erdbeben vor 1967
Von heftigen Erschütterungen erzählte auch ein Bewohner aus der Nähe der Stadt Maracay, die rund 100 Kilometer von dem Epizentrum entfernt ist. "Ich saß im Auto und der Wagen hat sich hin und her bewegt als handele es sich um ein Blatt Papier", sagte er der dpa in einer Audiobotschaft. Mindestens zwei Häuser in der Umgebung seien kollabiert, darunter ein relativ neues. "Ich habe schon Erdbeben erlebt, aber noch keins wie dieses", ergänzte der Mann. "Es war schlimm, wirklich schlimm." Er habe sich an das Beben von 1967 erinnert gefühlt, bei dem in dem südamerikanischen Land damals mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen waren.
Am schlimmsten trafen die Beben nach Angaben der Regierung aber den Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste, wo sich neben dem internationalen Flughafen auch der wichtigste Seehafen Venezuelas befindet. Dutzende Gebäude seien in der bei Touristen beliebten Region eingestürzt, sagte Präsidentin Rodríguez. Es sei nun ein Katastrophengebiet. Ein ebenfalls von dpa verifiziertes Video aus dem Küstenort Caraballeda, der zu La Guaira gehört, zeigt mehrere große, mehrgeschossige Hotelgebäude entlang einer Straße, die eingestürzt sind.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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