
Emma Aicher packte ihre Siebensachen zusammen, nach Feiern war ihr nicht zumute. Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden hat die beste deutsche Skirennfahrerin einen Podestrang im Weltcup und damit eine mögliche große Aufholjagd im Kampf um die Gesamtwertung verpasst. Beim Super-G von Kvitfjell wurde sie Vierte, tags zuvor hatte es in der Abfahrt nur zu Rang fünf gereicht. Die Chance auf die große Kristallkugel ist zwar noch da - bei den letzten Events ist Aicher gegen US-Ass Mikaela Shiffrin aber Außenseiterin.
Die Rechnung vor den zwei Speed-Rennen in Norwegen war einfach: Aicher musste so viele Punkte wie möglich holen, um der mit 140 Zählern Vorsprung führenden Shiffrin ganz nah zu kommen oder gar vorbeizuziehen. Dann aber sprangen insgesamt nur 95 von 200 möglichen Punkte heraus. Und obwohl Shiffrin die Abfahrt ausließ und im Super-G als 22. keine Punkte machte, geht sie nun mit 45 Zählern Vorsprung und dank ihrer Ausnahme-Technik ohnehin als Topfavoritin in den Slalom am Dienstag und den Riesenslalom am Mittwoch.
Aicher bleibt Hundertstelpech treu
"Passt schon", resümierte Aicher gewohnt lakonisch nach den zwei Dämpfern. "Es war okay. Ich habe nicht ganz durchgezogen und bin nicht nach Plan gefahren. Ich bin skifahrerisch nicht wirklich zufrieden. Es ginge viel besser."
Darüber hinaus blieb dem deutschen Alpin-Juwel das Hundertstelpech wie schon die ganze Saison treu: Beim Super-G-Sieg von Sofia Goggia aus Italien vor der Schweizerin Corinne Suter und Kira Weidle-Winkelmann fehlte Aicher nur 0,01 Sekunde auf ihre Teamkollegin und das Podest. Die Winzigkeit auf der Strecke kostete zehn Zähler für die Gesamtwertung. In der Abfahrt war Aicher nur zwölf Hundertstel langsamer als die auch dort drittplatzierte Weidle-Winkelmann. "Das tut mir natürlich ein bisschen Leid", sagte die Teamkollegin, die in einer ohnehin starken Saison erstmals auf ein Super-G-Podium fuhr.
Shiffrin überrascht vom Schwächeln der Rivalin
So darf nun eifrig gerechnet werden vor den Technikrennen im 50 Kilometer entfernten Hafjell, die diesen Winter im Weltcup abschließen. Gewinnt etwa Shiffrin - wie bereits achtmal in der Saison - den Slalom am Dienstag, dann muss Aicher mindestens Vierte werden, damit das Duell rechnerisch nicht schon vor dem abschließenden Riesenslalom entschieden ist. "Ich bin in einer besseren Position als erwartet", räumte Shiffrin im ZDF ein. "Ich hatte gedacht, dass Emma hier die Führung übernehmen kann." Dem aber war dann nicht so.
Den ersten Rückschlag hatte Aicher schon am Samstag erlebt. Da hatte sie ja die Chance auf den Gewinn der Abfahrts-Disziplinwertung. Weil sie aber Laura Pirovano nicht mehr abfangen konnte und die Italienerin das Rennen sogar gewann, muss das deutsche Skiteam weiter auf die erste kleine Kugel seit 2018 warten. Damals hatte Viktoria Rebensburg im Riesenslalom triumphiert.
Auch ohne Kugel: Herausragender Winter für Aicher
Aber egal, wie die Saison ausgeht - Aicher kann diesen Winter in jedem Fall als großartigen Erfolg verbuchen. Sie gewann zwei olympische Silbermedaillen und schrammte dabei jeweils nur ganz knapp an Gold vorbei. Drei Siege und sechs weitere Podestplätze im Weltcup unterstreichen zudem die Klasse der gebürtigen Schwedin. "Ich habe vor dem Wochenende gesagt, dass alles, was passiert, nur noch ein Bonus ist", schilderte sie. "Vor einem Jahr war ich ja noch nirgends im Vergleich. Ich bin schon sehr stolz, dass das so ist."
Die Zukunft gehört Aicher, das hatte Shiffrin selbst schon vor dem Saisonfinale betont. Ganz nebenbei räumte die 31 Jahre alte Amerikanerin übrigens mit Gerüchten auf, sie könnte im Sommer ihre Karriere beenden. Sie werde auch nächstes Jahr dabei sein, unterstrich die Weltcup-Rekordsiegerin. Ski-Fans können sich also auf weitere Etappen des Generationsduells mit Aicher freuen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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