
An Isabell Werth führt wieder kein Weg vorbei. Die erfolgreichste Reiterin der Welt gilt für die Dressur-Weltmeisterschaft in Aachen als gesetzt, ebenso Team-Olympiasieger Frederic Wandres. Doch bei den verbleibenden zwei Plätzen bahnen sich Überraschungen an. Das liegt am dramatischen Start ins WM-Jahr und an vielen Ausfällen vor der Entscheidung in dieser Woche.
Einen Schock erlebte die deutsche Dressur im Januar, als die viermalige Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl ihr Pferd Diallo verlor. Die Zukunftshoffnung der Reiterin galt als sicherer Kandidat für die WM in Aachen im August - und wurde nach dem überraschenden Tod von der Reiterin mit emotionalen Worten verabschiedet.
Todesursache geklärt
"Noch am Wochenende haben wir gemeinsam getanzt, es hat sich alles so leicht angefühlt", schrieb die Reiterin damals bei Instagram. "Und dann kam diese Krankheit wie ein Sturm, lautlos, gnadenlos und unaufhaltsam, hat sich in Stunden durch deinen Körper gefressen und mir das Herz aus der Brust gerissen." Ursache war nicht der zunächst vermutete Borna-Virus, sondern nach Angaben der Reiterin eine Hirnblutung, ausgelöst durch ein gerissenes Blutgefäß.
Von Bredow-Werndl musste ihr damaliges Toppferd "mit gebrochenem Herzen" verabschieden und sich gezwungenermaßen auf Kismet konzentrieren, um eine WM-Chance zu haben. Diallo galt bis zu seinem Tod als sportlicher Nachfolger der Stute Dalera, mit der von Bredow-Werndl unter anderem vier olympische Goldmedaillen gewonnen hat.
Pech bleibt der Olympiasiegerin treu
Das Pech blieb der Reiterin zuletzt treu. Bei der ersten Sichtung für die Heim-WM in Balve konnte Kismet nur eine Prüfung absolvieren. Weil mit Quick Decision das Pferd ihres Bruders Benjamin Werndl Fieber hatte, musste auch die im gleichen Stall stehende Kismet in Quarantäne und durfte bei der deutschen Meisterschaft nicht mehr starten.
Vor der zweiten Sichtung in dieser Woche in Hagen am Teutoburger Wald überraschte von Bredow-Werndl nun mit dem freiwilligen Verzicht. "Gemeinsam mit den Besitzern von Kiss haben wir uns bewusst dafür entschieden, ihr die Zeit zu geben, die sie braucht", schrieb die viermalige Olympiasiegerin bei Instagram. Für die elfjährige Stute sei "es ihre erste Grand Prix Saison, und sie bringt ein außergewöhnliches Talent mit", hieß es weiter. "Genau deshalb ist es uns wichtig, sie mit Geduld und Weitblick aufzubauen."
Weiterer prominenter Ausfall
Es ist nicht der einzige Ausfall bei der nun anstehenden WM-Sichtung beim Nationenpreis-Turnier in der Nähe von Osnabrück. Zuvor musste schon Ingrid Klimke, die im vergangenen Jahr noch zum deutschen Gold-Team bei der EM in Frankreich gehörte, den Start absagen. Ihr Vayron ist nicht fit. Ein weiterer Ausfall ist Charlott-Maria Schürmann. Sie war für das Nationalteam in Hagen nominiert war und musste kurzfristig absagen, weil ihr Dante's Pearl nicht fit genug ist.
Das Pech der etablierten Reiterinnen könnte im WM-Jahr das Glück von zwei Außenseitern sein, die zu Beginn des Jahres noch nicht als erste Wahl galten und sich nach vorne gearbeitet haben: Semmieke Rothenberger mit Farrington und der kurzfristig nachnominierte Raphael Netz mit Great Escape Camelot.
Druck vor 40.000 Zuschauern
Im Team mit Werth und Wandres können sie sich jetzt für die WM empfehlen. "Sie sind durchgestartet", sagte die Bundestrainerin über die Entwicklung der nachrückenden Paare. Die 26-jährige Rothenberger und der 27-jährige Netz kommen aus der erfolgreichen Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.
Beide haben reihenweise Goldmedaillen bei diversen Nachwuchs-Europameisterschaften gesammelt und inzwischen den schweren Schritt zu den Erwachsenen geschafft. Aus Sicht der Bundestrainerin können beide mit Druck umgehen. Und der wird vor der Kulisse von rund 40.000 Zuschauern in Aachen besonders hoch sein.
Hoffnungen auf einen WM-Start darf sich auch noch Katharina Hemmer machen. Im Vorjahr gehörte sie zum siegreichen EM-Team, konnte bei der DM in Balve jedoch nicht mit Denoix an den Start gehen, weil ihr Pferd ein dickes Bein hatte. "Das war sehr schade, da die beiden top im Training waren", sagte die Bundestrainerin. Hemmer und Denoix starten nun beim Nationenpreis-Turnier in Hagen in den parallelen Prüfungen des Rahmenprogramms und kämpfen um einen Platz im WM-Team.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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