
Das Landgericht Hamburg hat eine Anklage wegen besonders schwerer Bestechung im Gesundheitswesen und bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs in Millionenhöhe zugelassen. Das Hauptverfahren gegen sechs Verantwortliche der Alanta Health Group werde vor einer Wirtschaftsstrafkammer stattfinden, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Der Prozess werde nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen.
Angeklagt sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Apotheker und vier leitende Mitarbeiter in deren Unternehmen. Sie sollen Ärzte mittels Bestechung dazu gebracht haben, Patienten hochpreisige Krebsmedikamente - sogenannte Zytostatika - aus Herstellung der eigenen Apotheken zu verordnen.
Die Alanta Health Group begrüßte, dass mit der Eröffnung des Prozesses die Gelegenheit geschaffen werde, die Vorwürfe umfassend und transparent zu klären. "Die Alanta Health Group ist zuversichtlich, dass diese Klärung ergeben wird, dass die Vorwürfe nicht haltbar sind", hieß es in einer Mitteilung.
Anklage: Krebsmittel für 75 Millionen zu unrecht abgerechnet
Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten in 37 Fällen Ärzte durch Gewährung von Vorteilen bei der Verordnung von Arzneimitteln unlauter an sich gebunden haben. Auf diese Weise sollen sie bewirkt haben, dass Rezepte, insbesondere für hochpreisige Krebsmedikamente, nur noch über ihre Unternehmen eingelöst wurden.
"Um möglichst viele Abnehmer für ihre Medikamentenzubereitungen zu gewinnen und zugleich das gesetzliche Verbot der Zusammenarbeit von pharmazeutischen Leistungserbringern und Vertragsärzten zu umgehen", sollen sie die Hamburger Stadtteilklinik Mümmelmannsberg übernommen und als Betreiberin mehrerer medizinischer Versorgungszentren eingesetzt haben. In 340 Fällen hätten sie so nicht abrechnungsfähige Arzneimittelverordnungen bei den gesetzlichen Krankenkassen eingereicht und zur Zahlung von mehr als 75 Millionen Euro veranlasst.
Keine Hinweise auf unsachgemäße Krankenbehandlung
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Apotheker, Ärzte und Pharma-Manager laufen seit Jahren. Ende 2019 waren bei Razzien in den Räumen der Alanta Health Group, der zu ihr gehörenden Zytoservice GmbH und der Stadtteilklinik Mümmelmannsberg mehr als 6.000 Aktenordner und etwa 100 Datenträger beschlagnahmt worden.
Die Alanta Health Group zählt nach eigenen Angaben zu den größten onkologischen Versorgern Deutschlands. Das Unternehmen betreut jährlich mehr als 100.000 Krebspatienten und beschäftigt rund 850 Mitarbeiter. Es betreibt 32 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und mehrere Kliniken. Außerdem stellt das Unternehmen Infusionstherapien in eigener Herstellung bereit.
Die Ermittlungen hätten keine Anhaltspunkte für eine unsachgemäße Krankenbehandlung ergeben, erklärten sowohl Alanta als auch das Landgericht. Eine Unternehmenssprecherin betonte darüber hinaus: "Wir arbeiten strikt innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen und nach höchsten medizinischen, organisatorischen und abrechnungstechnischen Standards."
Bis zum rechtskräftigen Abschluss eines Strafverfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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