
Spieler, Fans und IOC fiebern dem wohl besten Eishockey-Turnier der Geschichte entgegen, aber viel Zeit bleibt den Stars nicht. Erst am Sonntagmittag trafen die meisten Superstars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL, die bei den Olympischen Winterspielen für die größte Attraktion sorgen sollen, in Mailand ein - zwei Tage nach der offiziellen Eröffnungsfeier. "Die Rückkehr der NHL-Spieler ist ein großer Schritt für uns, wir haben das schon lange angestrebt", sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey - da waren die NHL-Millionäre bis auf drei Ausnahmen noch gar nicht gelandet.
Die Fahnenträger Leon Draisaitl (Deutschland), Nino Niederreiter (Schweiz) und David Pastrnak (Tschechien) waren notgedrungen schon vorher eingeflogen worden. Die übrigen Olympioniken aus der besten Liga der Welt setzte die NHL am Samstag in New York zusammen in die Flugzeuge. Addiert man die Vertragssummen der Spieler, saß rund eine Milliarde US-Dollar in den fünf gecharterten Flugzeugen. "Das ist wirklich verrückt, aber jetzt sind wir hier", sagte US-Kapitän Auston Matthews nach der Ankunft in Mailand.
Der 28 Jahre alte Weltklasse-Stürmer der Toronto Maple Leafs ist einer von etlichen NHL-Superstars um Draisaitl (30), Connor McDavid (29) oder Nathan MacKinnon (30), die bislang niemals die Chance hatten, an Olympischen Winterspielen teilzunehmen.
NHL-Teambesitzer geben die Richtung im Welt-Eishockey vor
Die NHL - in dem Fall rund 30 Milliardäre, denen die Teams gehören - hatten sich 2018 (Pyeongchang) und 2022 (Peking) geweigert, die Saison für den in ihren Augen uninteressant erscheinenden asiatischen Markt zu unterbrechen. Keine Spiele bedeuten eben auch keine Einnahmen.
Ein einzelnes NHL-Team generiert ein Vielfaches des jährlichen Umsatzes des Weltverbandes IIHF, der darauf angewiesen ist, jedes Jahr eine Weltmeisterschaft auszurichten - während der NHL-Playoffs. Anders als im Fußball ist der Weltverband in Verhandlungen mit der dominierenden NHL somit allzu oft machtlos.
Spieler machen Druck
Das führte zu der absurden Situation, dass es im Eishockey über ein Jahrzehnt lang kein Länderturnier gab, an dem die weltweit besten Spieler allesamt teilnehmen konnten. Dass sich das wieder geändert hat, liegt an den Spielern selbst. Deren Druck über die Gewerkschaft NHLPA war am Ende zu groß.
Dass die besten Spieler der Welt mit Ausnahme der russischen - wegen des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine - nun wieder auf olympischem Eis stehen, hat neben kollektiver Begeisterung zu einigen Superlativen geführt. "Ich würde schon sagen, dass es das beste Eishockeyturnier jemals wird", sagte Bundestrainer Harold Kreis stellvertretend für etliche Experten. Und das, obwohl zwischen 1998 und 2014 die NHL bereits für Olympia pausiert hatte. Nur hat sich das Spiel in vielfacher Hinsicht in der vergangenen Dekade noch einmal enorm entwickelt.
Hartgesonnene NHL-Stars mit kindlicher Begeisterung dabei
Nicht nur für Draisaitl, derzeit der bestbezahlte Eishockeyspieler der Welt mit 14 Millionen US-Dollar pro Jahr, geht nun ein Traum in Erfüllung. "Das war vielleicht der bislang schönste Moment in meinem Leben", sagte Draisaitl nach seiner "Once-in-a-lifetime"-Erfahrung als deutscher Fahnenträger. "Als kleiner Junge ist das dein größter Traum: Einmal bei Olympischen Spielen auflaufen zu können", sagte der Schweizer Fahnenträger Niederreiter.
Beide haben den anderen Stars gegenüber nun einen Vorteil. Sie sind genau wie der tschechische Torjäger Pastrnak schon seit Freitag in Mailand und haben mehr Zeit, sich einzugewöhnen und den Jetlag zu überwinden. Denn in der NHL wurde noch bis Donnerstag gespielt. Allzu lange wollten die Teambesitzer eben nicht auf Einnahmen verzichten, daher schickten sie ihre Spieler ohne Eingewöhnungszeit erst kurz vor dem Turnierstart nach Mailand.
Deutschland startet am Donnerstag ins Turnier
Schon am Mittwoch müssen die Mitfavoriten Schweden (gegen Italien) und Finnland (gegen die Slowakei) ran. Ebenso wie die USA und Kanada trafen auch deren Olympiateilnehmer erstmals in New York im Flugzeug als Team aufeinander. Was die Teamfindung angeht, hat Deutschland mit "nur" neun Profis aus Nordamerika so gesehen einen Vorteil. Für Draisaitl und Co. geht es am Donnerstag (21.10 Uhr/ZDF und Eurosport) gegen Dänemark los.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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