
Wegen Brandstiftung in einer Lagerhalle des Theaters Ulm ist ein 42 Jahre alter Obdachloser zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte habe an mindestens vier Stellen in dem Gebäude Feuer gelegt, sagte der Vorsitzende Richter Michael Lang bei der Urteilsverkündung am Ulmer Landgericht. Er habe sich dafür rächen wollen, dass er tags zuvor aus dem Gebäude verwiesen worden sei. Durch das Feuer Ende Juni brannte das Gebäude fast vollständig aus.
Der Fundus des Theaters Ulm wurde dabei weitgehend zerstört. Nach Ansicht des Gerichts entstand ein Schaden am Gebäude von 3,2 Millionen Euro, am Inventar von mindestens 4,5 Millionen Euro. Der Mann war Anfang Oktober festgenommen worden.
Richter sieht keine Affekthandlung
Für den Brand habe der Angeklagte einen passenden Zeitpunkt abgewartet, sagte der Richter. "Wer warten kann, kann es auch lassen", stellte Lang fest und verneinte damit eine mögliche Affekthandlung.
Zusammen mit anderen Wohnsitzlosen hatte sich der 42-Jährige demnach ein Übernachtungslager mit Gegenständen aus dem Theaterfundus eingerichtet. Als dies dem Personal auffiel, wurde der Angeklagte mit seinen Begleitern vertrieben und wegen Einbruchs und Diebstahls angezeigt.
Angeklagter äußerte sich nicht
Der Angeklagte äußerte sich vor Gericht nicht zu der Tat. Das Landgericht stützt sich in dem Urteil auf Aussagen einer Obdachlosen, die ebenfalls im Theaterfundus untergekommen war. Sie sagte bei einer Vernehmung durch die Polizei aus, dass der Angeklagte den Brand angekündigt hatte. Vor Gericht erschien die Frau jedoch nicht.
Der 42-Jährige machte bei früheren Aussagen geltend, dass er zur Tatzeit betrunken gewesen sei. Diesen Eindruck hatte auch eine Beamtin der Bundespolizei, die den Mann in der Brandnacht in der Nähe des Hauptbahnhofs beobachtet hatte. Doch aus Sicht der Kammer minderte der Alkoholkonsum die Schuldfähigkeit nicht.
Langes Vorstrafenregister
Der Angeklagte ist seit 15 Jahren immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Sein Vorstrafenregister reicht von Leistungsbetrug über mehrere Einbrüche und Drogendelikte bis zu einer Reihe von Körperverletzungen. Der Mann lebte seit zwei Jahren auf der Straße. Vor Gericht sagte er, dass er das Geld aus staatlichen Leistungen, Gelegenheitsjobs und eingelösten Pfandflaschen regelmäßig in Bier und Schnaps umsetzte.
Seit 2013 hatte das Theater Ulm die ehemalige Paketposthalle am Bahnhof als Lager für den Fundus genutzt. Sie liegt nur fünf Gehminuten entfernt. Deshalb waren dort auch zwei Probebühnen eingerichtet. Durch den Brand wurde der Großteil der dort gelagerten Requisiten, 5.000 Möbelstücke sowie 27.000 Kostüme zerstört. Damit hat das Theater einen Großteil seines Bestandes verloren. Bei den Kostümen handelte es sich zum Teil um historische Originale von Barock und Rokoko bis ins 20. Jahrhundert.
Die Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt sprach deshalb vor Gericht von "Schätzen", die unwiederbringlich verloren gegangen seien. Um den Fundus auf den ehemaligen Stand zu bringen, würden Jahrzehnte vergehen. Sie bezifferte den Schaden für das Theater auf elf Millionen Euro.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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