
Der Schock bei Dynamo Dresden sitzt tief, die Folgen des Fan-Platzsturms im Spiel gegen Hertha BSC könnten für den gesamten deutschen Fußball gravierend sein. Die massiven Ausschreitungen beim Zweitligaspiel sind eine schwere Belastung im Ringen von Fan-Vertretungen, Verbänden und Politik um Stadionsicherheit.
"Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende", sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorkommnisse stünden symbolisch für eine "Gewaltfolklore" in deutschen Fußballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) infrage, erklärte Schuster weiter.
Krawalle sind Thema der nächsten Innenministerkonferenz
"Die Ergebnisse einer präzisen Aufarbeitung dieses Spiels durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei lasse ich mir persönlich vorlegen", betonte Schuster. Der Charakter einer kommenden Innenministerkonferenz werde auch maßgeblich davon geprägt sein, "wie drakonisch die Konsequenzen sind, die aus diesen Krawallexzessen gezogen werden", betonte Schuster.
Er sah in der Vergangenheit Rechnungen an die Clubs für Polizeikosten als den falschen Weg an, doch der Druck steigt immer weiter. Die Minister treffen sich im Juni wieder, doch schon bei der vergangenen Runde Mitte März auf Norderney hatten die Länder-Sportminister ein stärkeres Entgegenkommen von DFB und DFL verlangt.
Am Samstagabend verhinderten 750 Polizisten aus Bayern und Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen Schlimmeres, auch einen möglichen Abbruch in der ersten Hälfte. Das Spiel wurde fortgesetzt, die Gäste aus Berlin gewannen 1:0. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhängig. Der DFB kündigte an, nach den Osterfeiertagen Ermittlungsverfahren gegen die Clubs einzuleiten.
Dynamo: Schwer, für Faninteressen einzustehen
Dynamos Sport-Geschäftsführer Sören Gonther reagierte geschockt. "Es torpediert, was wir uns rundherum erarbeiten, mit Fanvertretern, Vereinsvertretern, DFL, Polizei und so weiter. Alle arbeiten seit Monaten daran, ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren. Und das nimmt uns als Verein jegliche Argumentation, für Faninteressen einzustehen", sagte Gonther im Sport1-"Doppelpass".
Für seinen kaufmännischen Geschäftsführer-Kollegen Stephan Zimmermann sind die "Bilder nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv. Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor", betonte er.
Bei dem Spiel wurde zunächst von beiden Seiten Pyrotechnik gezündet. Danach kletterten Anhänger beider Teams über die Zäune. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Dabei kam es zu einem kurzen Aufeinandertreffen beider Fangruppen, bei dem es zum Einsatz von Pyrotechnik als Wurfgeschossen kam.
Hertha: "Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker"
Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Zweitliga-Begegnung ein zweites Mal unterbrechen und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine. Eine Hundertschaft Polizisten drängte dann die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block. Dort wurde eine Hertha-Fahne abgebrannt.
Auch das Fehlverhalten der Berliner Fans, die über die Absperrungen sprangen und zuerst Pyrotechnik zündeten, war offenkundig. "Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst", sagte Geschäftsführer Peter Görlich. Die Geschehnisse entsprächen nicht seinem "Wertegerüst". Hertha-Trainer Stefan Leitl bezeichnete die Vorkommnisse als "Schande für den deutschen Fußball".
Dynamo-Fans immer wieder auffällig
Schwere Ausschreitungen gab es bei Dynamo Dresden auch schon in der Vergangenheit. 1991 wurde das Europapokalspiel gegen Roter Stern Belgrad abgebrochen. Damals hatten Fans im alten Rudolf-Harbig-Stadion Steine Richtung Spielfeld geworfen. Im Relegations-Rückspiel beim VfL Osnabrück im Mai 2011 drohte am Ende der Verlängerung ein Abbruch, damals stand die Polizei stand bereits auf dem Rasen, um Dresdner Anhänger aufzuhalten.
Ebenfalls nach dem Aufstieg in die 2. Liga gab es im Mai 2021 Krawalle am Rande des Spiels Dynamo gegen Türkgücü München. Damals wurden 185 Polizeibeamte verletzt. Auch beim Relegations-Rückspiel ein Jahr später gegen Kaiserslautern (0:2) kam es zu Ausschreitungen.
Dresdens Coach Stamm enttäuscht
Dynamos Cheftrainer Thomas Stamm war sichtlich niedergeschmettert am Samstagabend, der eigentlich würdevoll mit einer Schweigeminute für den gestorbenen Ehrenspielführer Hans-Jürgen Kreische begonnen hatte. "Keiner hat irgendeinen Mucks gegeben", sagte Stamm. "Dann stehen nachher leider andere Dinge im Vordergrund, die nichts zu suchen haben im Fußball."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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