
Es ist ein warmer Freitagnachmittag im Juni. Die Sonne scheint, viele Menschen sind bereits auf dem Weg nach Hause, in den Feierabend, ins Wochenende. Für andere beginnt die Arbeit jetzt erst.
Im Keller der Malteser in Kiel herrscht geschäftiges Treiben. In der Küche rührt Magrit in einem großen Topf Gemüsecurry mit Reis. Die 70 Jahre alte Rentnerin engagiert sich seit einigen Jahren beim Kältebus.
Während das Essen köchelt, werden Thermoskannen gefüllt, Hygieneartikel sortiert und Kisten verladen. Denn der Kältebus fährt nicht nur im Winter: Auch in den Sommermonaten sind die Ehrenamtlichen jeden Freitagabend in Kiel unterwegs. Im Winter fahren sie sogar an mehreren Abenden pro Woche. Heiße Getränke wie Kaffee und Tee gehören immer dazu. "Kakao ist tatsächlich auch im Sommer sehr beliebt", sagt Magrit.
Seit Jahren begegnet sie Menschen, die auf der Straße leben. Viele Geschichten gehen ihr nahe. "Wenn man manche Geschichten hört, wundert man sich, wie schnell es gehen kann", sagt sie. Oft seien es Schicksalsschläge, die Menschen aus der Bahn werfen. "Manchmal ist es fürchterlich zu sehen, in welche Richtung es geht."
Der erste Halt
Dann werden die Fahrzeuge beladen. Neben dem Kältebus ist an diesem Abend auch das Arztmobil dabei, eine Ärztin und ein Assistent fahren mit. Sie versorgen Menschen, die oft keine Krankenversicherung und keinen regelmäßigen Zugang zu ärztlicher Hilfe haben.
Am ersten Halt dauert es keine Minute, bis die ersten Menschen auf die Fahrzeuge zukommen. Ein Park in Kiel gilt als einer ihrer bekannten Aufenthaltsorte. Sechs Menschen kommen direkt auf die Ehrenamtlichen zu.
Ein Mann geht sofort zum Arztmobil. Er hat Probleme mit dem Fuß und möchte die Ärztin sprechen. Während sie ihn versorgt, verteilen vier Helfer am Kältebus Curry und Reis, schenken Kaffee und Kakao aus und geben Hygieneartikel aus - Shampoo, Duschgel, Damenhygieneartikel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.
Die Menschen scheinen auf die Ankunft des Busses gewartet zu haben. Einige kennen die Helfer seit Jahren, man begrüßt sich mit Namen. Immer wieder hört man einen Dank für das Essen oder die Unterstützung. Manche kommen aus dem schwärmen gar nicht raus.
Mitten im Trubel fragt eine Frau mit ihrem Essen in der Hand: "Wer hat das gekocht?" "Ich", sagt Magrit. "Lecker", sagt die Frau. "Dann mache ich das wieder", entgegnet die 70-Jährige und schmunzelt. Für einen Moment wirkt die Szene fast alltäglich.
Als alle versorgt sind, wird zusammengepackt. Die Ärztin reinigt Stethoskop und Instrumente, dann geht es weiter. Auf dem Weg zum nächsten Halt stoppen die Helfer immer wieder dort, wo sie Menschen kennen oder vermuten. Wer möchte, bekommt eine warme Mahlzeit, etwas zu trinken und medizinische Hilfe.
Engagement, das bleibt
Die Route führt weiter in den Stadtteil Gaarden. Auch hier kommen die Menschen direkt auf die Fahrzeuge zu, kaum dass sie angehalten haben. Einige wirken sehr jung, manche schätzungsweise keine 20 Jahre alt.
Zu den Ehrenamtlichen gehört auch Claus. Der 72 Jahre alte frühere Bauingenieur engagiert sich seit Jahren beim Kältebus. Warum, muss er nicht lange überlegen: "Ich komme abends nach Hause und freue mich, weil ich etwas Gutes tun konnte", sagt er. Der Einsatz sei längst Teil seines Lebens geworden. "Es würde mir etwas fehlen, wenn ich es nicht täte." Magrit sieht es ähnlich: "Ich habe viel mehr Glück als die Menschen, denen wir helfen. Davon kann ich etwas abgeben." Die anderen Helfer stimmen zu.
Letzter Halt am Bahnhof
Der letzte Halt des Abends ist der Kieler Hauptbahnhof. Wieder warten einige Menschen, als Kältebus und Arztmobil vorfahren. Andere kommen dazu, als die Helfer Essen ausgeben und Kaffee ausschenken.
Reisende treten aus dem Bahnhofsgebäude, manche schauen nur kurz hin, andere bleiben stehen. Noch einmal werden Portionen Curry ausgegeben, Becher gefüllt, Gespräche geführt. Dann werden die Töpfe verstaut, die Türen geschlossen, der Motor gestartet. An diesem Abend erreichen Kältebus und Arztmobil rund 60 Menschen. Die Ehrenamtlichen sprechen von einem eher ruhigen Abend.
Für die Helfer geht es zurück zu den Maltesern, der Abwasch wartet noch. Für viele Menschen, die sie an diesem Abend getroffen haben, bleibt die Straße vorerst ihr Zuhause.
Weitere aktuelle Meldungen aus dem Ressort "Panorama":
- Wetter in Brandenburg, Berlin: Abkühlung an Hitzetagen - Wo es sich gut aushalten lässt
- Weimar: Logopäden-Mangel verschärft Wartezeiten für Patienten
- Köln/Leverkusen: Mann soll Lebensgefährtin mit Hantel erschlagen haben
- Wetter in Rheinland-Pfalz: Acht Orte zum Abkühlen in Rheinland-Pfalz
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
Eilmeldung: Mann legt Feuer in Behörde - Vier Menschen in Klinik16.07.2026 - 2
Champions League: Fünfter Champions-League-Platz für Bundesliga weit entfernt20.03.2026 - 3
Fußball News: Tedesco besiegt Sané und Gündogan: Fenerbahçe holt Supercup10.01.2026 - 4
FC Bayern München News: Dante kehrt zum FC Bayern München zurück02.06.2026 - 5
Fußball-WM: Iran-Kritik: "Eine der katastrophalsten Weltmeisterschaften"04.07.2026
Ähnliche Artikel
Fußball News: Das sind die ersten Aufgaben von Klopp als Bundestrainer24.07.2026
ratiopharm ulm vs. RIESEN kostenlos im Livestream: Ausgangslage, Tickets und Anfahrt zum BBL-Duell in Neu-Ulm18.02.2026
Champions League: Überraschende Rückkehr: Schlotterbeck und Can im Training24.02.2026
Paris Open: Valentin Vacherot gewinnt gegen Thomas Faurel26.05.2026
Kriminalität: Welle von Betrugsanrufen nach Gelsenkirchener Bank-Einbruch07.01.2026
Fußball News: Zusammen eine Million: Hohe Geldstrafen für Real-Streithähne08.05.2026
FC Bayern München News: Nasenbeinbruch bei Heidenheims Föhrenbach02.05.2026
Bahn: Wichtige Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf gesperrt10.07.2026
Seltene Art: Nach Toni: Erneut Zwergflusspferd-Nachwuchs im Berliner Zoo12.05.2026
Fußball-WM: Bayern-Neuzugang Saibari verletzt - Rätsel um Davies04.07.2026












