
Im Prozess um erpresserischen Menschenraub haben sich der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer vor dem Landgericht Kiel auf eine Schadenwiedergutmachung verständigt. "Es tut mir leid", sagte der 22 Jahre alte Angeklagte zu dem als Zeugen geladenen Opfer. Der 29-Jährige nahm die Entschuldigung und die vom Verteidiger in Aussicht gestellten 4.000 Euro für die bei dem Vorfall im Juli 2025 erlittenen Verletzungen an. "Du bist kein Gangster", sagte der Zeuge. "Mach was aus Deinem Leben." Er solle arbeiten gehen und die Mutter stolz machen.
Zuvor hatte der Mann gut eine Stunde lang im Saal 232 des Landgerichts über die Erlebnisse an jenem 15. Juli aus seiner Sicht berichtet. Der Angeklagte und zwei gesondert verfolgte Männer hätten ihm 10.000 Euro geschuldet. Er sei unter dem Vorwand, das Geld nun nach langem Warten zu bekommen, in der Nacht in eine angemietete Wohnung gelockt worden. "Ich kenne die Jungs, ich hätte nie mit so einer Aktion gerechnet." Dann sei hinter ihm die Tür abgeschlossen worden.
Messer an der Kehle
Der Angeklagte und zwei Mittäter hätten Bargeld von ihm gefordert und das Handy abgenommen, sagte der Mann. Auf dem Tisch habe eine Menge Kokain gelegen, der Angeklagte sei "total zugedröhnt" gewesen. "Er hat auf mich eingeschlagen mit einer Waffe, ein Messer an meine Kehle gehalten."
Der Angeklagte und die beiden gesondert verfolgten Tatverdächtigen hätten ihm Fragen gestellt zu einer Sache, zu dessen Inhalt der Zeuge die Aussage verweigerte. Das Geld hätten die Tatverdächtigen als Pfand verlangt. Wofür die in der Vergangenheit nach Angaben des Zeugen geliehenen 10.000 Euro bestimmt waren, wisse er nicht, sagte der Mann. Daraufhin wollte einer der Richter wissen, ob er häufiger solche Geschäfte mache.
"Das wäre nicht gut ausgegangen für mich"
Über das Handy hätten die Männer Zugriff auf das Online-Konto erlangt, sagte der 29-Jährige. Er habe ein Autohaus, auf dem Konto hätten sich 35.000 bis 40.000 Euro befunden. Trotz Gewalteinwirkung habe er die verlangte PIN für eine Überweisung des Geldes nicht herausgerückt. "Ich war acht, neun Stunden dort."
Ob er versucht habe, aus der Wohnung zu entkommen, wollte das Gericht von dem früheren Kampfsportler wissen. "Auf engstem Raum mit Waffen, das wäre nicht gut ausgegangen für mich", sagte der Mann. Schließlich sei er mit dem Angeklagten mit dem eigenen Auto zur Bank gefahren. "Dort habe ich einer Mitarbeiterin gesagt, dass ich auf Zwang hier bin." Diese verständigte schließlich die Polizei, der Mann kam wieder frei.
Ein Urteil in dem Prozess könnte im Juli fallen.
Festnahmen schon am nächsten Tag
Bereits einen Tag nach der Tat war ein damals 26 Jahre alter Tatverdächtiger ermittelt worden. Bei mehreren Wohnungsdurchsuchungen sicherten Einsatzkräfte nach früheren Polizeiangaben Beweismittel. Der 26-Jährige kam wieder auf freien Fuß. Gegen die beiden anderen mutmaßlichen Beteiligten erließ das Amtsgericht Kiel aber Haftbefehle.
Am 11. September nahmen Polizisten einen damals 19-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle fest. Gegen ihn und den 26-Jährigen wurde ebenfalls Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben. Anfang des Jahres wurde früheren Angaben zufolge schließlich der 22-Jährige festgenommen. Er soll dabei eine Schusswaffe und Munition mit sich geführt haben. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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