
Eine neue Einlassregel in einem Strandbad in Halle sorgt für Diskussionen. "Mich hat natürlich viel Kritik erreicht, aber es haben sich auch einige gemeldet, die mir gesagt haben, dass sie es richtig finden, was ich mache", sagte der Chef des Heidebades, Mathias Nobel. Seit kurzem behält er sich vor, bei Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen zu prüfen, ob sie die Baderegeln ausreichend verstanden haben, um in sein Bad eingelassen werden zu können.
Linke: "Es ist ein durchsichtiges Manöver"
Die Linke in Halle forderte daraufhin die Prüfung und Rücknahme dieser neuen Einlassregel. "Was das Heidebad hier macht, ist keine Sicherheitsmaßnahme, sondern klare Diskriminierung", erklärte das Stadtratsmitglied Hendrik Lange. Wer Menschen nach ihrer Sprache vom Schwimmbad ausschließt, schreibe ihnen ab, dass sie zu dieser Stadt gehören. "Es ist ein durchsichtiges Manöver. Denn in letzter Konsequenz müssten auch gehörlose Menschen ausgeschlossen werden", so Lange.
"Sicherheitsvorfälle in Bädern seien ernst zu nehmen, aber sie rechtfertigten unter keinen Umständen die pauschale Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen aus rassistischen Motiven", erklärte der Linken-Stadtverband weiter. Um Problemen entgegenzutreten, forderte er unter anderem alternativ mehrsprachige Badeordnungen und Durchsagen.
Berufskollege sieht gleiches Problem
In den sozialen Medien äußern ebenfalls Menschen Kritik, andere befürworten Nobels Entscheidung. So auch ein langjähriger Bademeister aus der Region, der nicht namentlich genannt werden will. Auch er habe schon mehrfach Situationen erlebt, in denen fehlende oder schlechte Deutschkenntnisse zu gefährlichen Situationen geführt hätten. "Wenn jemand nur auf seiner Heimatsprache um Hilfe ruft, verstehe ich das unter Umständen nicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Auch er habe schon einmal ein junges Mädchen - keine zwei Jahre alt - aus dem Wasser gerettet. Der Vater des Kindes habe minutenlang nicht gemerkt, dass sein Kind Hilfe braucht und habe dann auf gebrochenem Deutsch versucht zu erklären, dass alles gar nicht so schlimm gewesen sei.
"Es geht einfach darum, dass die Menschen nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben", sagte der Bademeister. Bestimmtes Verhalten könne man als Wasserretter aber einfach nicht tolerieren. Deshalb unterstütze er Nobels Idee - auch wenn es möglicherweise andere Wege gegeben hätte, sie durchzusetzen.
Migrantenorganisationen wollen Alternativlösungen
Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt sieht die Entscheidung von Nobel hingegen kritisch. "Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darf Menschen nicht aufgrund ihrer Sprachkenntnisse verwehrt werden", sagte Geschäftsführerin Undra Dreßler der dpa.
Sie sei überzeugt, dass sich Sicherheit und Teilhabe nicht gegenseitig ausschließen. "Statt Ausgrenzung braucht es Lösungen, die allen Menschen den Zugang ermöglichen und gleichzeitig den Schutz der Badegäste gewährleisten." Beispiele dafür seien mehrsprachige Informationen und leicht verständliche Kommunikation.
Kleinkind in zu tiefem Wasser als Auslöser für Entscheidung
Nobel hatte zuvor öffentlich gemacht, dass in seinem Strandbad Menschen nicht mehr eingelassen werden, wenn sie nicht ausreichend gut Deutsch sprechen und deshalb die Baderegeln nicht verstehen. "An unserem Eingang wird Deutsch gesprochen. Wenn am Eingang auffällt, dass es Verständigungsprobleme gibt, entscheiden wir im Einzelfall, wie verfahren wird", so der Geschäftsführer des Bades.
"Wir müssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der Badegäste gewährleisten zu können."
Anlass, die Regel ins Leben zu rufen, sei ein Vorfall vom vergangenen Wochenende gewesen. Nobel - selbst Rettungsschwimmer - musste ein Kleinkind aus dem Wasser retten, das in viel zu tiefem Wasser war. Vor allem die Kinder müssten verstehen, wie sie sich am Wasser zu verhalten hätten und müssten in Aufsicht von Personen sein, die ebenfalls wüssten, wie sie zu handeln hätten, betonte Nobel.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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