
Es ist ein emotionaler Abend im edlen Théâtre du Châtelet in Paris im vergangenen September. Und einer, der so viel aussagt über die bemerkenswerte Entwicklung des Ousmane Dembélé. Unter großem Applaus nimmt Frankreichs Offensiv-Ass damals den begehrten Ballon d'Or für den besten Fußballer der Welt entgegen. Im schicken Anzug sieht der hochbegabte Knabe von einst wie ein reifer Mann aus. "Wenn man älter wird, weiß man, dass es ums Kollektiv geht", sagt er. Es fasst seine Wandlung perfekt zusammen.
Vom Toptalent zum Teamplayer
Ein Ausnahmekönner war Dembélé schon immer. Ballbehandlung, Dribbling - zum Zunge schnalzen. Sein Umgang mit dem eigenen Talent? Lange Zeit zum Kopfschütteln. Doch mittlerweile hat der 29-Jährige es verstanden: Nur wenn er seine unbestrittenen Qualitäten gezielt in die Mannschaft einbringt, kann er mit dieser auch seine Ziele erreichen. Bei der WM ist das nicht anders. Alle staunen über die Tore von Kylian Mbappé und die Dribblings des Michael Olise. Der Ballon-d'Or-Gewinner fliegt fast schon unter dem Radar. Und ist doch völlig fein damit.
Bei vier Turniertreffern steht Dembélé vor dem Viertelfinal-Hit gegen Marokko am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Foxborough. Drei davon erzielte er beim Vorrundenabschluss gegen Norwegen (4:1). Ob es mehr sein könnten, wenn er statt über den rechten Flügel eher durch die Mitte angreifen dürfte? So wie bei seinem Club Paris Saint-Germain, mit dem er nun zweimal nacheinander die Champions League gewonnen hat? Möglich. Aber für den WM-Titel nimmt Dembélé inzwischen auch einen Positionswechsel in Kauf.
Traumtore und Trainingsstreiks
Das war nicht immer so. Ging es in seinen jungen Jahren nicht nach dem Kopf des Ballkünstlers, konnte er vom Unterschieds- zum Problemspieler werden. In der Saison 2016/2017 spielte Dembélé für Borussia Dortmund. Er schlug auf Anhieb ein. Doch mindestens genauso wie an seine Zauber-Solos auf dem Platz dürften sich die BVB-Fans an seine Eskapaden daneben erinnern. Der Franzose bestreikte das Training und wechselte schließlich unter großem Getöse - aber immerhin für eine stattliche dreistellige Millionensumme - zum FC Barcelona.
Sechs Jahre lang spielte Dembélé für die Katalanen, wo er übrigens auch gern mal eine Trainingseinheit sausen oder sich anderweitig von seinem Job ablenken ließ. Den großen Durchbruch schaffte er erst nach seinem Transfer nach Paris 2023. Die komplette Leistungsexplosion gab es streng genommen sogar noch ein Jahr später, als Mbappé von PSG zu Real Madrid wechselte.
Die zwei Topstars sind befreundet. Doch waren sie für einen Club womöglich zu viel? Im Nationalteam scheinen ihre Rollen klarer definiert. Dembélé ist eher der Zulieferer als der Zielspieler wie auf Vereinsebene. Dennoch sei er "ein Schlüsselspieler", betonte Mbappé zuletzt. Und verwies darauf, dass sein Offensivpartner nicht allzu lang vor der WM ja auch noch angeschlagen war.
Deschamps' Gespür für die Stars
Dembélé strotze vor Selbstvertrauen, sagte Frankreichs Cheftrainer Didier Deschamps während des Turniers. "Wenn er topfit ist, und das ist er momentan, kann er den Unterschied ausmachen." Auch der Erfolgscoach der Équipe Tricolore hatte den Edeltechniker in der Vergangenheit schon kritisiert und zu mehr Disziplin aufgefordert. Deschamps hat ein gutes Gespür für seine vielen Stars. Und ihre möglichen Allüren. Das hat er bereits 2018 bewiesen, als er Frankreich zum WM-Titel führte - auch schon mit Dembélé wohlgemerkt.
Den 57-jährigen Deschamps schloss Dembélé in seine tränenreiche Dankesrede vor neun Monaten mit ein. Damals, als er bei der Ballon-d'Or-Gala den Weg an die Spitze des Weltfußballs skizzierte. Und seine bemerkenswerte Wandlung.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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