
Am Ende versuchte selbst Zinédine Zidane, das Schlimmste zu verhindern. Frankreichs designierter Nationaltrainer schickte sich an, den hochbegabten Ayyoub Bouaddi doch noch von einem Verbandswechsel abzuhalten. Aber Garantien wollte Frankreichs Fußball-Ikone nicht geben und deshalb trifft der Teenager Bouaddi im WM-Viertelfinale am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) mit Marokko auf sein Geburtsland.
Der Nationenwechsel ist nicht einmal zwei Monate her, erst Mitte Mai erlag Bouaddi dem Werben aus der Heimat seiner Eltern. Und nach seinen bisherigen Leistungen bei der Endrunde grübelt man in Frankreich so langsam, ob ihnen da nicht ein ganz großer Spieler durch die Lappen gegangen ist. "In seinem Jahrgang ist er einzigartig", sagte Hubert Fournier, Technischer Direktor des Verbands FFF. "Es ist ein bedeutender Verlust. Aber es war seine Entscheidung."
Ein Teenager als "Le Chef"
Dabei war diese durchaus beeinflussbar. Bouaddi wollte unbedingt zur WM. Doch Frankreichs Trainer Didier Deschamps empfand den 18-Jährigen als noch nicht reif genug. Also entschied sich Bouaddi, der die französischen Nachwuchsmannschaften durchlief und zuletzt Kapitän der U21 war, für Marokko. Verbandsvertreter hatten ihn und seine Eltern mehrfach in Frankreich besucht.
Das Ausmaß des französischen Verlustes nahm man bereits im ersten WM-Spiel Marokkos gegen Brasilien wahr. Bouaddi war der beste Spieler auf dem Platz, strahlte auch unter Druck eine enorme Ruhe aus und brachte fast 91 Prozent seiner Pässe ans Ziel. Hinzu kommt ein Stellungsspiel, das andere Profis auf diesem Niveau vielleicht im Verlauf ihrer Karriere entwickeln - oder nie. Sein Spitzname ist jetzt schon: "Le Chef".
Guter Kopf, kluger Kopf
"Für sein erstes Länderspiel auf diesem Niveau war seine Leistung stark", sagte Nationaltrainer Mohamed Ouahbi. Er sei sich sicher gewesen, dass Bouaddi ein großartiges Spiel machen werde. Sein Vereinstrainer beim OSC Lille, Bruno Genesio, sagte einmal: "Er ist ein Junge, der einen sehr guten Kopf hat."
Dieser Kopf Bouaddis ist nicht nur sehr gut, sondern auch sehr klug. Schon in der Schule ragte er heraus. "Wenn ich heute mit Eltern spreche, zeige ich immer eine PowerPoint-Präsentation mit Ayyoubs Zeugnis. Sie sind sprachlos, so außergewöhnlich war er in allen Fächern", sagte sein ehemaliger Sportlehrer Olivier Omont der "L'Équipe".
Das Abitur legte er bereits ein Jahr früher ab als üblich. Und heute? Studiert er aus der Ferne neben dem Fußball Mathematik in Marseille. "Das Ziel ist es, Axiome und Prinzipien zu beweisen: Man hat eine Aussage und muss versuchen, sie zu beweisen", erklärte Bouaddi seine Spezialisierung auf arithmetische Probleme.
Preis von Brigitte Macron
Mathematik als Fach, das offenbar zu seiner Persönlichkeit passt. Auf dem Fußballplatz verstand Bouaddi schon im Nachwuchs des AFC Creil, wo er sich am besten positionieren und wie er spielen musste. Außerhalb des Platzes verzichtete er auf Cola und Pommes, plante sogar seine Schlafzeiten.
Als 15-Jähriger gewann Bouaddi einen Redekunstwettbewerb im Élysée-Palast. Den Preis gab es von Frankreichs Premiere Dame Brigitte Macron. Thema seines Vortrages: "Ist das Ergebnis besser als die Art und Weise?"
Nun, bei Bouaddi passt bisher beides. Ein Jahr später stieg er beim OSC Lille zu den Profis auf. Nach einer Woche im Mannschaftstraining beorderte ihn der damalige Trainer in die Startelf. Das Conference-League-Spiel gegen Färöer-Club Klaksvik macht Bouaddi mit 16 Jahren und 3 Tagen zu einem der jüngsten Europapokal-Spieler.
Längst sind Europas Großclubs an ihm dran. Gerüchte über die Ablöseforderungen von Lille überschlagen sich fast wöchentlich. Es waren mal 50 Millionen Euro, mittlerweile ist man bei 70 Millionen. Mit jedem Spiel wird der Wunderknabe teurer. Und Marokko möchte bei dieser WM bis ins Endspiel vordringen.
474389
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
Auch interessant::
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
Wiesbaden: Verbotszonen oft unklar – Polizei kämpft mit Cannabis-Regeln19.06.2026 - 2
1.FC Magdeburg: Neue Aufgabe gegen die Dynamos am 18.10.202618.10.2026 - 3
Fußball-WM: Musiala über TV-Experten: "Ich sehe und lese davon nichts"19.06.2026 - 4
Totale Mondfinsternis am 03.03.2026: Blutmond am Taghimmel - wo Sie das Spektakel sehen können01.03.2026 - 5
Lexus Eastbourne Open: Jack Pinnington Jones überwältigt Marco Trungelliti22.06.2026
Ähnliche Artikel
Ralswiek: Störtebeker Festspiele: "Likedeeler" feiert Premiere20.06.2026
Unfall: Öl-Pipeline in Brandenburg defekt: Große Mengen ausgetreten10.12.2025
Heidi Klum: Was ist denn hier passiert? Dieses Foto wirft Fragen auf01.06.2026
Fußball News: Zeitplan, Modus, Iran-Krieg: So laufen die WM-Playoffs23.03.2026
Unfall: Unfallflucht auf Pisten – Skifahrer bleiben oft unerkannt14.03.2026
Fußball-WM: "Besser geht's nicht": Freiburgs Ginter kämpft um die WM10.04.2026
Madrid Open: Krajicek / Mektic gewinnt gegen Llamas Ruiz / Benjamin27.04.2026
Olympia 2026: Deutsche Kombinierer nach Sturz wieder ohne Medaille19.02.2026
Bahn: Funkstörung im Zugverkehr - Auch Münchner S-Bahnen betroffen23.06.2026
1. FC Köln - 1. FC Heidenheim im Live-Stream und TV: Wohin gehen am 33. Spieltag die Punkte bei Köln gegen FCH?07.05.2026













