
Manchmal als Gay Olympics bezeichnet: Entertainer Hape Kerkeling nennt den Eurovision Song Contest in einer neuen Doku einen recht schwulen Einfall. "Also die Idee zu sagen: Wir bringen europäische Stars auf eine Bühne und die singen in einem Gesangswettbewerb Chansons. Das finde ich erst mal: 'ne ziemlich schwule Idee", sagt Kerkeling mit einem Lächeln in der Doku "70 Jahre ESC – More than Music" (in ARD-Mediathek ab 8.5., im Ersten am 11.5.).
Kerkeling moderierte 1989, 1990 und 1991 den deutschen ESC-Vorentscheid. Im Jahr 2010, als Deutschland mit Lena gewann, war er Deutschlands sogenannter Punktesprecher und saß neben etwa Mary Roos in der deutschen Jury.
Spätestens seit Acts wie Dana International (1998) oder Conchita Wurst (2014) hat der ESC den Ruf, ein besonders queeres und LGBTIQ-freundliches Event zu sein. Die Transfrau Dana International gewann mit "Diva" für Israel, die Drag-Kunstfigur Conchita Wurst, hinter der Thomas (Tom) Neuwirth steckt, holte mit "Rise Like A Phoenix" den Sieg für Österreich.
Europa ließ 2014 eine Dragqueen mit Bart gewinnen
Neuwirth erzählt in der Doku, als er sein späteres Siegerlied das erste Mal gehört habe - mit diesem James-Bond-Nummer-Akkord am Anfang - habe er gedacht: "Das ist die Chance meines Lebens."
Dass er aber haushoch gewinnen würde, habe er sich nicht vorstellen können, sagt Neuwirth. "Ich dachte mir: Das wird schon passen. Aber Europa ist sicher nicht so weit, eine Dragqueen mit Bart da gewinnen zu lassen." Was ihm der Sieg gezeigt habe? "Dass die Menschen, die in einem Land Politik machen, nicht immer alles repräsentieren, was in diesem Land vor sich geht."
Kerkeling nennt in der Doku Conchitas Auftritt damals "mutig". Dragqueen Olivia Jones bezeichnet Wursts Sieg 2014 als "tolles Zeichen" für Freiheit und Toleranz: "Und als sie dann noch den Pokal gehoben hat - "We are unstoppable" -, hatte ich natürlich Gänsehaut." Denn man müsse berücksichtigen, dass so was dann auch in Ländern ausgestrahlt werde, in denen LGBTIQ-Menschen immer noch diskriminiert und drangsaliert werden.
Kerkeling: ESC von Beginn an ein queeres Event
Kerkeling sagt, der Eurovision Song Contest sei Mitte der 90er, Anfang der 2000er zum offen queeren Event geworden. Doch: "Ein verstecktes queeres Event war es eigentlich schon seit Beginn."
Der auch "Dr. Eurovision" genannte Kulturwissenschaftler Irving Wolther betont, der Grand Prix habe schon früh mehr oder weniger subtil queere Botschaften gesendet. "In Frankreich beispielsweise wurde der Auftritt von Jean-Claude Pascal 1961 schon als Hymne für gleichgeschlechtliche Liebe gedeutet."
Damals unterlagen homosexuelle Handlungen in weiten Teilen Europas, etwa in der Bundesrepublik, noch Strafgesetzen.
Der französische Sänger und Schauspieler Jean-Claude Pascal (1927-1992) trat vor 65 Jahren für Luxemburg an. Er siegte 1961 mit "Nous Les Amoureux". Das Chanson lässt sich in der Tat als Schwulen-Song interpretieren. Es besingt eine erschwerte Liebesbeziehung zwischen dem Sänger und einem Gegenüber. Thematisiert wird die Belastung, weil andere die Beziehung ablehnen.
Im Text heißt es übersetzt etwa: "Wir, die Liebenden - man möchte uns trennen. Man möchte uns daran hindern, glücklich zu sein (...) Doch die Stunde wird schlagen, die Nächte werden weniger schwer sein. Und ich werde dich lieben können, ohne dass man davon in der Stadt spricht (...) Ihr ohne Liebe, Ihr mit wenig Liebe: Ihr müsst uns freisprechen. Ihr, die ihr nie verurteilt wurdet."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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