
Seinen Konkurrenten lief Owen Ansah unwiderstehlich davon, vor Fragen danach lief der alte und neue deutsche 100-Meter-Meister nicht weg. Zwar äußerte sich der Sprinter vom Hamburger SV nach seinem Titel in Bochum nicht direkt zum laufenden Verfahren der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) gegen ihn. Doch wie sich Ansah auf der Bahn des Wattenscheider Lohrheidestadions und anschließend präsentierte, zeugte von Selbstbewusstsein und bemerkenswerter innerer Stärke.
"Meine Leistung steht. Ich wollte allen zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin", sagte Ansah nach seinem Sieg in exakt 10,00 Sekunden. "Ich wollte eine Show bieten, das habe ich geschafft." Nur zwei Hundertstelsekunden fehlten dem einzigen Deutschen, der über die Sprint-Königsstrecke jemals unter zehn Sekunden blieb, zu seinem nationalen Rekord. Die 14.000 Fans honorierten es mit viel Applaus. Trotz des im Raum stehenden Vorwurfs einer verweigerten Dopingprobe waren am Samstagabend keine Missfallensbekundungen zu hören.
Ansah widerlegt Vermutung von Busemann
"Es wurde viel gejubelt. Da hat mir das Publikum heute sehr, sehr geholfen. Ihr habt mich super getragen", sagte Ansah an die Zuschauer gerichtet und stellte zufrieden fest: "Ich habe heute einen guten Job geleistet. Ich bin stolz auf mich. Wattenscheid ist stolz auf mich." Trainer, Management, Verband und Anwalt würden hinter ihm stehen. "Das ermöglicht mir, solche Leistungen auf die Bahn zu bringen."
Mit seinem Auftritt widerlegte er den früheren Zehnkämpfer und heutigen ARD-Experten Frank Busemann. "Sobald man mit so einer Doping-Geschichte in Verbindung gebracht wird, schwebt da immer so ein Schatten über einem", hatte der 51-Jährige vor den Meisterschaften geäußert und gemutmaßt: "Wenn man da ein bisschen Sand im Getriebe hat, läuft man sofort zwei Zehntel langsamer."
Worum geht es in dem Verfahren?
Ansah durfte trotz des sogenannten Ergebnismanagementverfahrens der Nada in Bochum starten. Er wollte seinen Angaben in einer Verbands-Mitteilung zufolge am 9. Juli gerade Richtung Flughafen zum Diamond-League-Meeting nach Monaco aufbrechen, als ein Kontrolleur außerhalb seines Proben-Zeitfensters geklingelt und um die Abgabe einer Dopingprobe gebeten habe.
Er sei schon sehr spät dran gewesen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, zumal er kurz zuvor die Toilette besucht habe. Dies habe er mit dem Kontrolleur besprochen, erklärte der als Nachrücker nach Monaco eingeladene Ansah weiter. Es seien keinerlei Konsequenzen aufgezeigt worden. Am Wettkampftag wurde er dann von der Welt-Anti-Doping-Agentur kontrolliert.
Kann Ansah bei der EM gefahrlos antreten?
Dem in Mannheim trainierenden Sprinter hätte klar sein müssen, dass sein Verhalten vor der Abreise Konsequenzen nach sich zieht, meinen Experten. Die Verweigerung einer Dopingprobe hat normalerweise eine mehrjährige Sperre zur Folge. Laut seines Anwalts Rainer Tarek Cherkeh wird sich Ansah bei der Nada umfassend äußern.
Bei den in zwei Wochen beginnenden Europameisterschaften in Birmingham ist Ansah eigentlich unverzichtbarer Teil der deutschen Sprint-Staffel. Ohne ihn dürfte die Chance auf eine Medaille erheblich sinken.
Sollte die Staffel mit Ansah antreten und Edelmetall holen: Droht eine spätere Aberkennung, falls das Verfahren gegen Ansah erst nach der EM vorbei ist und er nachträglich gesperrt wird? Ist es daher besser, ihn vorsorglich gar nicht aufzustellen? Diese Fragen beschäftigen laut Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner auch schon den Deutschen Leichtathletik-Verband. Antworten muss es spätestens in Birmingham geben.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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