
Wenn Amerikas Basketballerinnen Anfang September in Berlin versuchen, ihren fünften WM-Titel in Serie zu holen, wird Sophie Cunningham fehlen. Die 30-Jährige hat es nicht in das Star-Aufgebot der USA geschafft, das bei der Weltmeisterschaft als Topfavorit an den Start geht.
Und doch gibt es aktuell kaum eine andere US-Basketballerin, über die mehr diskutiert wird als über Cunningham. Was weniger mit ihren sportlichen Darbietungen als mit ihren Aussagen abseits des Parketts zu tun hat. In einem ESPN-Interview hatte sich Cunningham neulich zu trans Athletinnen geäußert und damit im ohnehin schon gesellschaftlich aufgeheizten Amerika für die nächste hitzige Diskussion gesorgt.
Was hat Cunningham gesagt?
Sie wolle "junge Mädchen" in den Umkleiden und im Sport allgemein schützen. Sie sollten nicht gegen "biologische Männer" im Frauensport antreten müssen, sagte Cunningham. Damit löste die Spielerin der Indiana Fever, der bei Instagram 3,9 Millionen Menschen folgen, eine heftige Debatte aus - die sie wenig später weiter befeuerte.
"Ich habe gesagt, was ich gesagt habe. Ich finde, das ist gesunder Menschenverstand", sagte sie. "Ich finde es wichtig, Kinder zu beschützen. Dazu gehören auch kleine Mädchen. Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe." Für sie sei es absolut klar, dass Transgender-Athletinnen nicht an Frauen-Wettbewerben teilnehmen dürften.
Als Transgender-Menschen sind Personen gemeint, deren gefühlte Geschlechtsidentität nicht mit dem körperlichen Geschlecht übereinstimmt, das sie bei der Geburt haben. In zahlreichen Sportarten gibt es derzeit Diskussionen über den richtigen Umgang mit diesem Thema. Erst in jüngster Vergangenheit beschloss die Damen-Tennis-Organisation WTA, von nun an alle Spielerinnen zu einem einmaligen Gentest auf das biologische Geschlecht zu verpflichten. Auch diese Entscheidung löste große Diskussionen aus.
Rechtes Amerika feiert Cunningham
In den USA bekam Cunningham auch viel Zuspruch für ihre Haltung. Das rechte Lager um US-Präsident Donald Trump feiert die Basketballerin seitdem als "MAGA-Barbie", mit ihren Äußerungen ist Cunningham sofort zu einer Galionsfigur des konservativen Lagers geworden. Blond, blauäugig und einfach sagend, was sie denkt. Sogar Vizepräsident JD Vance reagierte auf sie und versprach ihr Unterstützung. Zumal Trump bereits im Februar 2025 ein Bundesverbot für trans Frauen im Sport der Frauen erließ.
Im WNBA-Zirkel gab es dagegen heftige Kritik an der schon früher oft polarisierenden Cunningham. Die Frauen-Basketball-Liga in den USA gilt als sehr liberal und ist stark demokratisch geprägt. Frauenrechte und Gleichberechtigung sind zentrale Bestandteile der Liga-DNA. Viele Fans und auch einige Spielerinnen zählen zur LGBTQ+-Community. Rund um die Partien gibt es immer wieder Proteste - allerdings auch pro Cunningham.
Kritik von Geiselsöder
Die deutsche Nationalspielerin Luisa Geiselsöder, deren Vertrag bei Portland Fire wegen der WM-Vorbereitung derzeit ausgesetzt ist, kritisiert Cunningham im Gespräch mit der dpa. "Ich bin für Integration. Ich finde, der Sport ist dafür da, Leute zu verbinden und zusammenzubringen. Ich fände es schade, wenn man Leute ausschließt", sagte Geiselsöder.
Während Cunningham zuletzt betonte, sie wolle sich jetzt wieder auf Basketball konzentrieren, geht die Diskussion in den USA munter weiter - und hat inzwischen groteske Züge angenommen. Der umstrittene Ex-Profi Enes Kanter Freedom verkündete jüngst, in der WNBA spielen und sich im nächsten Jahr zur Draft anmelden zu wollen. "Wenn eine einfache Selbsterklärung bereits ausreicht, dann erfülle ich jede einzelne Voraussetzung, um in der WNBA anzutreten", sagte Kanter Freedom.
Aussagen, die Geiselsöder so nicht stehen lassen will. "Diese Aussagen finde ich, um ehrlich zu sein sehr geschmacklos. Es ist respektlos gegenüber Transgender-Personen", sagte die Nationalspielerin. "Der Respekt muss immer da sein. Das ist das Wichtigste, was wir gegenüber anderen haben können. Das jetzt ins Lächerliche zu ziehen, was ein sehr ernstes und emotionales Thema für viele Menschen ist, finde ich nicht ok."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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