
Nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei am Montag mit der Vernehmung der Geschädigten begonnen. "Wir schaffen etwa 100 pro Tage", sagte ein Sprecher. Rund 20 Kolleginnen und Kollegen seien ab jetzt sieben Tage die Woche damit beschäftigt.
Manche brauchen Opferschutz
Es gehe der Polizei unter anderem um genaue Beschreibungen und gern auch Daten oder Bilder vermisster Gegenstände. So könnten sich Spuren zu den Tatverdächtigen ergeben, wenn Teile der Beute verkauft würden.
Die Gespräche verliefen meist sachlich, für einige der Betroffenen aber auch sehr emotional. Eine zweistellige Zahl der Kunden nehme polizeilichen Opferschutz in Anspruch. "Wir haben etliche verzweifelte Leute, die nicht wissen, wie es weitergeht."
Alle Geschädigten sollen vernommen werden
Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gebohrt. Dort räumten sie rund 3.100 Kundenschließfächer aus. Wie den Einbrechern dies gelang, ohne den Einbruchalarm der Bank auszulösen, gilt als zentrale Frage bei den Ermittlungen.
Geplant sei, alle Geschädigten zu vernehmen, sagte der Sprecher. Aktuell laufe dies sehr niederschwellig über eine Hotline bei der Polizei. Betroffene, die sich nicht melden, könnten später auch als Zeugen vorgeladen werden. "Wir wollen alle", sagte er. Die Gelsenkirchener Polizei hat für die Vernehmungen Büroräume angemietet.
Erste Klagen möglicherweise schon am Freitag
Der Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann will voraussichtlich an diesem Freitag oder Anfang nächster Woche beim Landgericht Essen die ersten Klagen gegen die Bank einreichen. Auch der Marler Anwalt Burkhard Benecken hat nach eigenen Angaben zahlreiche Mandanten gesammelt, die bereit sind zu klagen. Die Anwälte werfen der Bank Pflichtverletzungen beim Schutz der Schließfächer vor. Deshalb müsse sie unbegrenzt haften. Die Sparkasse weist diese Vorwürfe zurück.
Über die Sparkasse ist der Inhalt jedes Schließfachs bis zu einem Wert von 10.300 Euro versichert. Zahlreiche Schließfachbesitzer haben über ihre Anwälte oder bei der Polizei deutliche wertvollere Inhalte der Fächer angegeben. Etliche haben aber auch Zusatzversicherungen für ihre Schließfächer abgeschlossen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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